Kino/DVD-News: Reel Thing und anderes

Statt einer Review gibt es heute ein längeres Nachrichten-Posting, denn es gibt tatsächlich einige ganz faszinierende Dinge zu berichten, die sich zwar nicht alle direkt um das Thema DVD drehen, aber vielleicht demnächst dahin führen werden. Faszinierendes von einem Restaurations-Symposium: ein verlorener und wiedergefundener Lubitsch, eine restaurierte Reise zum Mond und noch mehr – außerdem: Metropolis kommt endlich nach Deutschland, neues zu My Fair Lady und der Abgang eines großen Markennamens.

Restauratoren unter sich – Glenn “DVD Savant” Erickson hat letzte Woche vom Filmpräservations-Symposium The Reel Thing der Association of Moving Image Artists berichtet. Glenn schreibt in seinem Artikel über viele faszinierende technische Meisterleistungen und Projekte, von denen ich hier an dieser Stelle vier besonders interessante Sachen erwähnen möchte:

  • Thomas Bakels von Alpha-Omega, der für die wundervolle Metropolis-Restauration verantwortlich war, hat ein Projekt vorgestellt, an dem er schon seit fast zehn Jahren gearbeitet hat: eine Rekonstruktion von Das Weib des Pharao / The Loves of Pharao von 1922, Ernst Lubitschs letztem deutschen Film. Das riesige Ägypten-Epos mit Emil Jannings in der Hauptrolle galt lange Zeit als verloren, aber Bakels war es gelungen, mit Hilfe von verschiedenen Filmkopien erstmals den größten Teil des Films wieder herzustellen und optisch aufzupolieren. Das Ergebnis wird in Deutschland am 17. September in Berlin uraufgeführt, die Premiere wird via arte live im Internet übertragen – außerdem wird die neue Restauration am 26. September im arte-Programm gezeigt. Eine DVD- und BluRay-Veröffentlichung wird es laut Thomas Bakels noch bis Ende des Jahres geben, die Veröffentlichung wird Alpha-Omega selbst übernehmen.
  • Tom Burton von den Technicolor Creative Services hat eine neue Restauration von George Méliès’ Le Voyage Dans La Lune zum 150. Geburtstag des Filmemachers vorgestellt. Es gibt zwar zahlreiche einigermaßen gut erhaltene Versionen dieses frühen Science-Fiction-Films, aber die neue Rekonstruktion basiert auf einer in Spanien gefundenen eingefärbten Nitratkopie, die ursprünglich ein zusammengeschmolzener Block von Filmmaterial war. In mühsahmer Puzzle-Arbeit wurden Teile von einzelnen Filmbildern wieder zusammengesetzt und mit Hilfe von Schwarzweiß-Kopien aufgebessert – möglich war dies nur, weil der Film nur sehr wenige Einstellungen hat und sich die Kamera nicht bewegt, wodurch ganze Bildteile von anderen Frames ersetzt werden konnten. Die Restauration ist im Frühjahr schon in Cannes gezeigt worden, bei der Technicolor Film Foundation kann man ein fantastisches Buch über die Restauration herunterladen, das nicht nur viele Bilder der farbigen Fassung enthält, sondern auch ausführlich über die Entstehung des Films berichtet.
  • Disney hat eine neue Restauration des Jules-Verne-Klassikers 20000 Leagues under the Sea vorgestellt, die vom Kameranegativ erstellt wurde und sich unter anderem auch auf die Beseitigung des sogenannten Cinemascope-Mumps konzentriert hat. Als einer der ersten Filme, die mit den anamorphen Linsen gedreht worden waren, hatte 20000 Leagues besonders mit horizontalen Verzerrungen bei Nahaufnahmen zu kämpfen, wodurch die Gesichter der Schauspieler deutlich in die Breite gezogen wurden. Bei der Restauration wurde die gesamte belichtete Breite des Negativs gescannt und betroffene Aufnahmen mit Hilfe von Set-Fotografien vorsichtig entzerrt. Disney hat außerdem ausdrücklich darauf hingewiesen, daß keinerlei Filterung der Filmkörnigkeit oder zusätzliche Aufschärfung verwendet wurden. Die 2003 veröffentlichte DVD des Films, die wiederum auf einer filmbasierten Restauration vom Ende der neunziger Jahre basierte, sah schon ganz beeindruckend aus, aber die neue Restauration wird bestimmt noch viel besser aussehen – eine neue DVD oder BluRay wurde allerdings noch nicht angekündigt.
  • Die Überraschungs-Vorführung des Symposiums kam von Sony Pictures und war eine neue Restauration von Monty Python and the Holy Grail – ein Film, der durch die Produktions-Umstände nie so wirklich gut ausgesehen hat, aber vielleicht zehn Jahre nach der Veröffentlichung der Special-Edition eine Auffrischung verdient hat.

The Rain in Spain – Laut einem Thread im Home Theater Forum soll am 15. November in den USA George Cukors Musical-Klassiker My Fair Lady als Blu-Ray erscheinen, allerdings nur exklusiv bei Walmart. Seltsamerweise weiß Restaurator Robert Harris nichts davon und hatte sogar den Rechteinhaber CBS vor einiger Zeit gewarnt, daß die Filmelemente der Restauration von 1994 nicht fit für eine HD-Veröffentlichung sind. Der Film ist leider nicht mehr bei Warner, sondern bei Paramount, und was die damit machen werden, ist im Moment noch nicht absehbar – ob wirklich ein neuer Transfer der Restauration von 1994 gemacht wird, wird man wohl erst im November erfahren. Paramounts DVD-Neuauflage von 2009 war aber ein Reinfall und hatte gegenüber der 2004er Special-Edition und der 1998er Erstauflage ein deutlich unschärferes Bild und brachte auch nur die Extras der ersten Version, aber nicht der SE mit. Zur Zeit sind zumindest in England und in den USA die guten Warner-Ausgaben immer noch erhältlich, in Deutschland aber leider nicht – hier gibt es nur noch eine Bootleg-artige DVD von einem Distributor namens Phoenix mit kaputtem 4:3-Bild und lausigem Ton. Es wird Zeit für eine Neuauflage!


Metropolis kommt nach Hause – Ende letzten Jahres hatte Eureka in England eine wundervolle DVD und Blu-Ray der neuen Restauration von Fritz Langs Metropolis herausgebracht, aber lange Zeit war von einer deutschen Veröffentlichung nichts zu hören. Jetzt hat Warner, der neue Vertriebspartner der Murnau-Stiftung, aber endlich eine deutsche Blu-Ray und DVD für den 28. Oktober angekündigt. Es sind auch schon einige Extras bekannt geworden, die bei der FSK geprüft wurden: neben der Dokumentation Die Reise nach Metropolis, die auch auf den britischen und amerikanischen Veröffentlichungeb dabei waren, wird es die argentinische Doku Metropolis Refundata (47 Minuten), Die Restauration eines Filmklassikers (28 Minuten) sowie die Arbeitsbeispiele (92 Minuten) und eine Bildergalerie geben. Bei dieser Menge Extras wird wohl die DVD-Ausgabe mindestens ein 2-Disc-Set werden, vorausgesetzt Warner veröffentlicht auch alle Extras parallel als DVD und Blu-Ray. Ob der hervorragende Audiokommentar der britischen DVD auch dabei sein wird, ist allerdings noch unbekannt.


Bye-Bye Kinowelt – Eine der bekanntesten (und auch berüchtigsten) Marken aus der Anfangszeit der DVD wird verschwinden: Kinowelt wird am 1. September vom französischen Mutterkonzern in StudioCanal umbenannt, die deutsche Firmenzentrale zieht schon jetzt von Leipzig nach Berlin um. Getroffen hat es aber nicht nur Kinowelt, sondern auch die britische Abteilung Optimum, die fortan auch StudioCanal heißen werden.

5 Comments

  1. Tank the Hatchet

    Bye, bye KWE; mit einer Träne im Auge – NOT! KWE war an Anfang an eine Pestbeulenfirma, da wird auch eine Neubennung nix dran ändern. All die Rechte die die besitzen und die sie in miesester Qualität (B&T; NRS!) rausgebracht haben. Kein Wunder das sie die Firma vom Markt nehmen. Die meisten die etwas Ahnung haben rühren den Kram ja erst gar nicht mehr an, wen auch nur KWE draufsteht. Die gucken erst gar nicht nach den Specs.

  2. Alex the little

    Wie oft hat Kinowelt es geschafft nur den deutschen Titel im Vorspann einzubauen oder nur die deutsche Titelsequenz und den Film dadurch zu versauen ?
    Spontan fallen mir To Be Or Not To Be,Bringing Up Baby,That Touch Of Mink,
    The Deer Hunter ein.
    Hoffentlich wir das anders.
    Die Hoffung stirbt zuletzt.

  3. Kinowelt, was habe ich mich schon über die geärgert. Ich habe nur wenige DVDs von denen, einige sind ja okay (oft die mit ausländischen Bildmastern), andere eine Katastrophe. Meine Top Three Kinowelt-Hassobjekte, in keiner besonderen Reihenfolge:

    – Thirteen Days: eigener Transfer von deutscher Kinorolle, reichlich schwammig und mit rosa Streifen am linken Bildrand

    – A Hard Day’s Night: “Restauriert”, aber von einer abgenutzten deutschen Kinorolle im falschen Bildformat abgetastet. Viel unschärfer und verschmutzter als die später veröffentlichte US-DVD von Miramax.

    – Asterix in Amerika: Geld verpulvern für eine groß beworbene Kino-Rerelease mit furchtbarer Erkan&Stefan-Blödelsynchro, aber dann keine Kohle mehr für einen vernünftigen DVD-Transfer haben und das VHS-Master nehmen. Der Trailer auf der DVD hat eine bessere Qualität als der Film selbst!

    Könnte man natürlich ewig so weitermachen. Zu “That Touch of Mink” muß man aber sagen, daß die Bildqualität ansich nicht so schlecht ist und glaube ich sogar die beste aller weltweiten DVDs ist. Blindes Huhn findet auch mal’n Korn und so.

  4. Tank the Hatchet

    Bei den BRs machen sie’s besser. Nur was mich halt so sauer auf die macht sind die vielen Lizenen die sie hier immer nur mit NRS rausgebracht haben und das auch jetzt immer ab und an bei BRs noch probieren.

    Meine “13th Warrior” und “Cruel Intentions” RC-1 müßte ich unbedingt als BR austauschen. Aber es geht nich’, weil die beide NRS haben. Und mit dem RC-Rumgeschiebe will ich erst gar nicht mehr anfangen.

  5. Was zur Hölle… immer noch Zwangsuntertitel? Ich dachte, die Zeiten wären vorbei! Soviel zum Thema Globalisierung. Andere Studios schaffen den Regionalcode praktisch ab (Warner), aber Kinowelt, ähm, StudioCanal hält das nicht für notwendig… doof, wenn man nur die Rechte für Deutschland besitzt und sich mit den Lizenzinhabern in anderen Ländern nicht einigen kann. Alles eine Frage des Geldes!